Calendar
Title and navigation
<<<październik 2017>>>
październik 2017
PWŚCPSN
2526272829301
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
303112345
08 lipca 2014
Nikiszowiec und Giszowiec - Perlen von Katowice
Auf dem Gebiet der Woiwodschaft Schlesien gibt es etwa zweihundert sog. Patronatssiedlungen, die von den Industriewerken für ihre Mitarbeiter erbaut wurden. Nur noch wenige präsentieren jedoch einen derart hohen Standard wie Nikiszowiec und Giszowiec.
Die Gebiete des heutigen Giszowiec (Gieschewald) und Nikiszowiec (Nikischschacht) gehörten in der Vergangenheit der Gemeinde Janow an und wurden von ausgedehnten Wäldern bedeckt. Als im 19. Jahrhundert hier ergiebige Steinkohlelagerstätten entdeckt wurden, fing die Bergwerksgesellschaft Georg von Giesche’s Erben an, allmählich die sich hier befindlichen Bergfelder aufzukaufen und den Abbau in den neu errichteten Schächten zu betreiben. Die größte Investition war die Vertiefung des Schachtes Carmer in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts. Dann wurde notwendig, eine große Anzahl neuer Arbeiter anzuwerben und ihnen folglich günstige Wohnbedingungen zu bieten.

Giszowiec

Als erste entstand die Arbeitersiedlung Giszowiec. Der Bau dauerte von 1906 bis 1910. Es wurden Häuser für 600 Arbeiter- und 36 Angestelltenfamilien erbaut, sowie fünf Herbergen für Alleinstehende. Alle Häuser wurden mit Elektrizität ausgestattet, das Wasser wurde aus Pumpen geschöpft, die jede 100 m entlang der Straßen angeordnet waren. Die Bergmannsfamilien hatten recht große Hausgärten zu ihrer Verfügung. Um den zentral gelegenen Platz „Unter den Linden“ (heute Pod Lipami) lokalisierte man Läden, drei Schulen, ein Wirtshaus mit Theatersaal und das Gebäude der Oberförsterei. Giszowiec wurde gemäß der ideen des englischen Stadtplaners Ebenezer Howard erbaut. 1902 hat er das Buch „Gartenstädte in Sicht” veröffentlicht, in dem er das Konzept der planmäßig entworfenen, begrünten und bewohnerfreundlichen Stadtsiedlungen vorstellte, deren Entstehung die sozialen Probleme der sich heftig ausbreitenden großstädtischen Metropolen in Westeuropa lösen sollte. Die Planer der Siedlung, Emil und Georg Zillmann, knüpften auch an die traditionelle Architektur der Region an und entwarfen Häuser, deren Aussehen (z. B. die Form der Dächer, Anordnung der Fenster) die Bauernhütten der oberschlesischen Dörfer ins Gedächtnis ruft. So konnten sich ihre Bewohner am neuen Ort gleich heimisch fühlen.

Nikiszowiec

Nikiszowiec entstand etwas später. Die Planer der Siedlung waren auch Emil und Georg Zillmann. Die Bauarbeiten wurden 1908 aufgenommen und bis 1915 war die Mehrheit der Wohnhäuser fertig gestellt. Die weiteren Bauarbeiten wurden für etliche Jahre durch den ersten Weltkrieg und die drei danach folgenden schlesischen Aufstände unterbrochen. Die zweite Bauetappe folgte in den Jahren 1920-1924. Nikiszowiec wurde als bedeutend größere Siedlung konzipiert, die aus 9 Quartieren geschlossener und mehrheitlich dreistöckiger Bebauung bestand. Alle Wohnungen wurden mit Kanalisation und Elektrizität ausgestattet und hatten Zugang zu fließendem Wasser. Neben den Wohngebäuden wurden ein Wirtshaus, eine Post, eine Badeanstalt, ein Waschhaus mit Mangel sowie Verwaltungsgebäuden errichtet. Gedacht wurde auch an die jüngsten Einwohner der Siedlung, für die ein Kindergarten der Schwestern zu Hl. Hedwig sowie zwei Schulen,  eine für Jungen und eine für Mädchen eröffnet wurden. Die Nonnen pflegten auch Kranke in der außerhalb der Bebauung gelegenen Baracke für ansteckende Krankheiten. Am zentral gelegenen Platz wurde eine Kirche errichtet; im Bogengang entlang ihrer östlichen Front wurde eine Ladenreihe untergebracht.​ Im Jahre 2011 wurde Nikiszowiec in die Liste der Geschichtsdenkmäler eingetragen. Ein solcher Status wird Denkmälern von besonderem historischem Wert zuerkannt, die große Bedeutung für das Kulturerbe Polens haben.

Der ungewöhnliche Reiz des Ortes, ein eigenartiger genius loci überträgt sich nicht nur auf die Besucher von Nikiszowiec und Giszowiec, er inspiriert auch die Einwohner selbst. Hier hatten wir es mit einem der bemerkenswertesten Kunsterscheinungen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Oberschlesien zu tun. Die seit den 40iger Jahren aktive Gruppe naiver Künstler, heute bekannt als Janower Gruppe, erschuf ungewöhnliche Bilder, in denen der Alltag der Bergmannssiedlungen mit Elementen der Phantasie und Esoterik verwoben wurde. Seit 2001 ist hier die größte private Kunstgalerie „Szyb Wilson” (Wilson-Schacht) (mit beinahe 2500 m² Ausstellungsfläche) angesiedelt, untergebracht in den historischen Räumen des ehemaligen Schachtes der Wieczorek-Grube (ehemals Berkgwerk Giesche). Die Galerie präsentiert insbesondere zeitgenössische Kunst und setzt sich zum Ziel, vor allem junge Künstler, die in weiten Kreisen noch unbekannt sind, zu unterstützen und für sie zu werben. Darüber hinaus werden hier zahlreiche Konzerte, Theatervorstellungen und andere künstlerische Darbietungen veranstaltet.​​​


Mehr Informationen ü​ber Nikiszowiec finden Sie in ​Broschüren über Katowice.